>>>>>> Uttewalder Grund >

Östlich von Uttewalde hat sich der Grund gleichen Namens tief in die Steinplatte eingeschnitten. Der Uttewalder Grund gehört mit dem Liebethaler Grund und dem Amselgrund zu den altberühmten Schluchten des Elbsandsteingebirges. Hier entdeckten die Naturschwärmer und Romantiker um das Jahr 1800 zuerst die Merkwürdigkeiten und Erschröcklichkeiten der Sandsteingründe.
{short description of image} Wie stark Wolkenbrüche wirken können, bewies ein Hochwasser, das 1822 den Uttewalder Grund verheerte und das mitgeführte Material bis weit in die Elbe hinein schüttete. Auch im Jahre 1958 wurde nach einem Wolkenbruch eine erhebliche Erosion nicht nur im Uttewalder Grund beobachtet. In einem Bericht von "Gutbiers" steht, Dass das Felsentor bei einem Wolkenbruch am 1. September 1822 durch die mitgeführten Hölzer und Schuttmassen völlig verstopft war.
Dem aufmerksamen Besucher des Uttewalder Grundes wird die Inschrift oberhalb des Felsentores auf einer abgelösten Felsplatte nicht entgehen. Sie lautet: "Dem Andenken GUSTAV HEYNHOLDS 1862". HEYNHOLD war ein bedeutender Botaniker und Verfasser einer wertvollen Flora von Sachsen und des Nomenclatur botanicus hortensis, einer Zusammenstellung der botanischen Namen der Gartenpflanzen. Seine Dresdner Freunde widmeten ihm hier, wo im zeitigen Frühling der Seidelbast oder Kellerhals in der Nähe blüht, diese Ehrung.
Ein Rest des alten Mischwaldes hat sich dort wie überall in den feuchten Gründen und Schluchten des Sandsteingebirges erhalten. In Abhängigkeit vom Geländeklima besteht er entweder aus einem natürlichen Fichtenwald oder einem Ahorn-Eschen-Schluchtwald mit Esche, Bergahorn, Winterlinde und Hainbuche. An trockeneren Standorten tritt auch die Kiefer stärker in Erscheinung. Darunter entfalten sich gerade in den tiefen kühlen Schluchten die Farne und Moose, die hier ein Häufungszentrum in Mitteleuropa besitzen. Der Farn ist so sehr Charakterpflanze unserer Landschaft, dass der ehemalige Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz den Farnwedel zum Vereinszeichen erwählt hatte. Aus Felsritzen und Klüften, von den Schichtleisten, von den Steinblöcken grüßen der Wurmfarn, der Rippenfarn, der Straußfarn, der Frauenfarn und einige weitere Arten. Der zarte Hautfarn wurde seit etwa 1 927 nicht mehr beobachtet. Feuchte Waldgründe und schattige Felsen liebt der Tannenbärlapp. In der reich entwickelten Moosschicht finden wir unter anderem Peitschenmoos, Sternmoos, Wellenblättriges Wurmmoos und Frauenhaar Auf den feuchten, zum Teil von Wasser überrieselten Felsen gedeihen Blau-, Kiesel- und Leuchtalgen. In sonnigen Winkeln, in hellen Schluchtnischen und an den lichten Rändern der Wasserläufe gesellt sich in der Krautschicht eine Anzahl von Blütenpflanzen dazu. Im zeitigen Frühjahr blüht hier die Weiße Pestwurz. Das aus dem Uttewalder Grund bereits 1821 erwähnte Vorkommen des seltenen Zweiblütigen Veilchens gilt als erloschen. Im Juni steht der Johanniswedel in Blüte. Weiterhin gedeihen Nickwurz, Mauerlattich, Fuchskreuzkraut, Waldziest, Rauhhaariger Kälberkropf und Großes Springkraut. Auch Silberblatt, Goldnessel, Milzkraut, Waldhirse, Wolliger Hahnenfuß und Sumpffeste können im Uttewalder Grund angetroffen werden. Auf feuchten Felsbändern wächst schließlich die Eiszeitpflanze Sumpfporst. Kennzeichnend für die Flora der trockenen Felswände sind die Flechten, die merkwürdigen Doppelorganismen, bei denen Fadenpilze und Algen in Gemeinschaft (Symbiose) leben. Im Sandsteingebiet am weitesten verbreitet ist die goldgelb leuchtende Schwefelflechte, eine neben dem Farn für unser Gebiet sehr charakteristische Pflanze. Der gelbe Farbstoff, der ihr den Namen gab, hat mit Schwefel nichts zu tun. Er ist eine kompliziert zusammengesetzte organische Verbindung.
Zwischen Uttewalde und den jenseits des Grundes gelegenen Höhen bestand zu Anfang des 19. Jh. eine Einrichtung zum Abtransport des gehauenen Holzes. Auf einem dicken, straffgespannten Draht waren Rollen eingehängt, an denen Stämme zum Dorf hinüberrapperten. Rappern nannte man nach dem Lärm, der dabei entstand, den Holztransport, mit dem man sich bedeutende Umwege ersparte.
Dort, wo aus westlicher Richtung von Uttewalde der Bruno-Barthel Weg auf die Talsohle trifft, erinnert eine Gedenktafel an den Volkserzähler BRUNO BARTHEL.
Die nordöstliche Fortsetzung des Uttewalder Grundes bildet der Schleifgrund. In seinem oberen Teil gabelt er sich in das Kehlloch, das zwischen Wolfsberg und Großem Sandberg von 0sten herabzieht, und einen von Lohmen herabkommenden Grund, durch den der Nicolaiweg führt.
Felsentor im Uttewalder Grund J. G. Schumann, J. G. Jentzsch
Caspar David Friedrich (1774- 1840) wohnte eine ganze Woche im Uttewalder Grund "Einmal wohnte ich ein ganze Woche im Uttewalder zwischen Felsen und Tannen und in dieser ganzen Zeit traf ich keinen einzigen Menschen."
Nachdem man das Felsentor durchquert hat findet man links eine Gedenkinschrift:

D: M:+:16.decmbr:
1806 J.CCospr.Ziegler

Hier hat ein Handwerksbursche auf dem Weg von Rathewalde nach Uttewalde, im Dunkeln, den Weg verfehltund ist tödlich abgestürzt (In alten Karten "Zieglers Grab")
Am Mündungsgrund des unterhalb der Waldidylle abzweigenden Tiefen Grundes treppenartig angeordnet 3 schöne Strudellöcher.
Kurz vor der Waldidylle sind zwei Jahreszahlen in die Wand eingemeißelt 1715 und 1746.
1835 wurde der Uttewalder Grund von Lohmener Einwohnern durch Wegeanlagen und Brücken erschlossen. Zur Erinnerung an diese Tat hieb man am Felsentor die Jahreszahl ein. Auch die kleine Wirtschaft- es ist die heutige Gaststätte "Waldidylle"- wurde in jener Zeit errichtet.

Sage vom Felsentor im Uttewalder Grund:
Vor langer Zeit lebte ein Eremit in einer kleinen Hütte inmitten des Uttewalder Grundes. Der gottesfürchtige Mann betete täglich und wurde deshalb in der Umgebung der fromme Udo genannt. Als der Teufel davon erfuhr zog er sofort in eine nahe Felsenhöhle, um sich Udos Seele zu hohlen. Dort braute er mit einigen Hexen manchen Teufelstrank, dessen höllischer Gestank durch den Grund zog und Udo so manches mal beim Gebet störte. Doch der lebensfrohe Mann ließ sich nicht stören und lief fröhlich singend durch das Tal. Das entzürnte den Teufel derart, dass er einen großen Felsbrocken aus der Wand brach und ihn den Udo hinterher warf, um ihn damit zu erschlagen. Ein herbeigeeilter Engel schob mit kräftiger Hand schnell die beiden Felswände zusammen, so dass sich der Felsbrocken kurz vor dem Boden verkeilte und rettete Udo somit das Leben. Der Teufel tobte vor Wut, spuckte Pech und Schwefel, der noch heute mancherorts an den Wänden zu sehen ist und fuhr mit lauten Getöse zurück zur Hölle.


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