Nach dem allgemeinen Abschnitt über Ameisen (Formicidae) und ihre taxonomische Stellung im Tierreich geht es hier um die Familie der Ameisen und ihre weitere Unterteilung in Unterfamilien, Gattungen und Untergattungen.
Erst durch die taxonomische Einordnung in Unterfamilien, Gattungen und Untergattungen (basierend auf Merkmalen wie Stielchenform, Segmentanzahl, Behaarung und weiteren Merkmalen) lässt sich der Kreis der möglichen Arten so weit einschränken, dass eine exakte Bestimmung einer einzelnen Art (z. B. die Rote Waldameise) möglich wird. Die Taxonomie ist der entscheidende Schlüssel, um eine Ameisenart überhaupt identifizieren zu können. Eine Bestimmung allein anhand der Farbe oder Größe ist oft unmöglich. Stattdessen folgt man einem Ausschlussverfahren anhand der Anatomie.
Anhand gut sichtbarer körperlicher Unterschiede werden die Ameisen in vier Unterfamilien unterteilt.
Familie: Ameisen
Unterfamilien:
Wespenameisen
Knotenameisen
Drüsenameisen
Schuppenameisen
Die Grafik zeigt die charakteristischen Unterschiede der einzelnen Unterfamilien der Ameisen. Diese werden im Folgenden kurz beschrieben und dienen als Beispiel für eine taxonomische Einteilung.
Wespenameisen (Ponerinae) werden auch als Urameisen bezeichnet.
Sie besitzen ein eingliedriges, wulstiges Stielchen (Petiolus) und gelten als Urameisen. Das erste Segment des Hinterleibs (Gaster) ist oft durch eine Einschnürung vom zweiten Segment abgesetzt. Die weiblichen Kasten (Arbeiterinnen und Königinnen) verfügen über einen gut entwickelten Giftstachel. In Deutschland gibt es zwei bis fünf Arten.
Drüsenameisen (Dolichoderinae):
Sie haben ein eingliedriges, schuppen- oder knotenförmiges Stielchen ohne auffällige Einschnürung am Hinterleib. Ihnen fehlt ein Giftstachel. Sie besitzen spezielle Analdrüsen, die bei Störung charakteristische Duftstoffe absondern. Diese werden oft als stechend beschrieben, ähnlich wie ranzige Butter oder verbranntes Gummi. Dies gibt ihnen ihren Namen. Der Hinterleib (Gaster) besteht aus nur vier sichtbaren Segmenten.
In Deutschland gibt es mindestens vier heimische Arten aus der Unterfamilie der Drüsenameisen (Dolichoderinae): drei Arten der Gattung Tapinoma, eine Art der Gattung Bothriomyrmex und eine Art der Gattung Dolichoderus. Seit einigen Jahren kommt zusätzlich die invasive Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) in bestimmten Regionen Deutschlands vor. Sie neigt zu Superkolonien.
Knotenameisen (Myrmicinae):
Sie sind leicht an ihrem zweigliedrigen Stielchen zu erkennen, das aus dem Petiolus und dem Postpetiolus besteht. Die meisten Arten besitzen zudem einen Giftstachel. Der Hinterleib (Gaster) besteht aus fünf Segmenten. In Deutschland sind die Knotenameisen (Myrmicinae) mit etwa 100 Arten vertreten.
Schuppenameisen (Formicinae):
Ihr namensgebendes Merkmal ist das eingliedrige, hoch aufgerichtete, schuppenförmige Stielchen (Petiolus). Ihnen fehlt ein Giftstachel. Sie besitzen jedoch eine stark vergrößerte Giftdrüse, aus der sie zur Abwehr und Jagd Ameisensäure verspritzen. Ihr Hinterleib (Gaster) besteht aus fünf sichtbaren Segmenten.
Mithilfe dieser Beschreibung und einer guten Lupe können auch Laien eine Ameise ihrer entsprechenden Unterfamilie zuordnen.
Familie: Ameisen
Unterfamilien: Schuppenameisen
Gattungen:
Waldameisen
Rossameisen
Wegameisen
Plagiolepis
Die Unterfamilie der Schuppenameisen wird wiederum in verschiedene Gattungen unterteilt. Von den in Europa existierenden Gattungen wurden vier in Deutschland nachgewiesen: die Waldameisen (Formica), die Rossameisen (Camponotus), die Wegameisen (Lasius) und Plagiolepis. In der Literatur sind teilweise unterschiedliche Angaben zur Anzahl der Gattungen und Arten zu finden.
Da es für Laien schwierig ist, diese Gattungen anhand ihrer körperlichen Unterschiede auseinanderzuhalten, wird hier auf eine Beschreibung der Gattungsunterschiede verzichtet und auf einschlägige Literatur verwiesen.
Die Gattung der Waldameisen wird wiederum in vier Untergattungen unterteilt.
Gattung: Waldameisen (Formica)
Familie: Ameisen
Unterfamilien: Schuppenameisen
Untergattung: Waldameisen
Waldameisen (Formica sensu stricto)
Sklavenameisen (Serviformica)
Kerbameisen (Coptoformica)
Raubameisen (Raptiformica)
In diesen Untergattungen befinden sich die Ameisenarten, die den hügelbauenden Waldameisen zugerechnet werden.
An dieser Stelle verlassen wir die taxonomische Einteilung nach körperlichen Merkmalen, denn der Begriff "hügelbauende Waldameisen" fasst Ameisenarten aus den Untergattungen mit ähnlicher Lebensweise wie Nestbau, Verhalten, Ernährung und ihrer ökologischen Bedeutung zusammen.
- Waldbewohnende Ameisen- Dr. Dr. Gustav Wellenstein (1990)
- Seifert- Die Ameisen Mittel und Nordeuropas
Letzte Änderung am 24.11.2025 |