1. Einleitung Ameisennester im Allgemeinen
2. Nester der hügelbauenden Waldameisen
3. Neststandort, Aufbau und Baumaterial
4. Dynamik und Kontinuität
Unter den vielen weltweit existierenden Ameisenarten gibt es einige, die umherziehen wie Nomaden. Sie errichten immer wieder an anderen Standorten ihre neuen Nester. Diese Nester sind meist einfach gebaut und werden relativ schnell errichtet. Andere Arten sind mehr oder weniger sesshaft und wechseln ihren einmal gewählten Standort selten oder nie. Allgemein kann man folgende Arten von Nestern unterscheiden:
Erdnester (unter der Erde): Dies ist die häufigste Form. Die Ameisen graben ein weit verzweigtes Tunnelsystem in den Boden. Diese Nester befinden sich beispielsweise in Gärten, auf Wiesen, im Waldboden oder unter Gehwegplatten. Oft sind an der Oberfläche nur kleine Sandhäufchen oder Löcher zu sehen.
Holznester (in Bäumen und Totholz): Manche Arten nagen Gänge in morsches oder weiches Holz. Das können kernfaule Bäume, Baumstümpfe oder liegende Totholzstämme sein. Arten mit geringer Volksstärke nutzen auch hohle Äste lebender Bäume oder gründen ihr Nest unter der Rinde von Bäumen. Bei anderen kleinwüchsigen Arten kann eine ganze Kolonie in einer einzigen Eichel leben.
Kartonnester:Ähnlich wie Wespen zerkauen einige Ameisenarten Holzfasern, mischen sie mit Speichel und bauen daraus papierartige Nester. Diese befinden sich oft freihängend in Bäumen oder in deren Hohlräumen. In unseren Breiten baut beispielsweise die Glänzendschwarze Holzameise (Lasius fuliginosus) ihre Kartonnester nicht nur in Totholz, sondern auch in von Menschen geschaffenen Bauten wie Dachstühlen, da sie Holzteile angreifen und die Bausubstanz schädigen können - besonders bei großen Völkern.
Pflanzennester (lebende Pflanzen): In den Tropen (seltener bei uns) leben Ameisen direkt in Hohlräumen lebender Pflanzen (z. B. in Dornen oder Stängeln) und beschützen die Pflanze im Gegenzug vor Fressfeinden.
Hügelnester (der Klassiker): Diese Nester bestehen aus einem unterirdischen Teil und einem oberirdischen Hügel aus Pflanzenmaterial (Nadeln, kleine Äste). Sie werden oft an sonnigen Stellen im Wald oder am Waldrand errichtet.
Wenn die roten Waldameisen im Allgemeinen bei weiten Bevölkerungskreisen bekannter sind als andere Ameisenarten des Waldes, so hat dies neben dem Individuenreichtum der Völker in erster Linie seine Ursache in den auffälligen Nestbauten.
Diese teilweise sehr großen Hügel werden jedoch nur von wenigen Arten der hügelbauenden Waldameisen errichtet. Einige Arten errichten hingegen meist kleine und unscheinbare Nester. Deshalb beziehen wir uns im Folgenden auf die beiden charakteristischen Arten der roten Waldameisen (Formica rufa und Formica polyctena), die für ihre teils großen, meist über alten Wurzelstöcken errichteten Nester bekannt sind.
Die Errichtung des Nestes ist eine echte soziale Tätigkeit der Gemeinschaft für die Gemeinschaft. Das Ergebnis ist ein Gebäude, das dem ganzen Volk Schutz vor Feinden und Witterungsunbilden bietet und seinen Bewohnern die erforderlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen gewährleistet. Konstante Temperaturen und gleichbleibende Luftfeuchtigkeit sind für das Überleben des Volkes und die Aufzucht des Nachwuchses unerlässlich. Schafft es das Volk nicht, dies zu gewährleisten, ist es früher oder später dem Untergang geweiht.
Die Wahl des Neststandortes ist meist eine Entscheidung fürs Leben, nur gelegentlich kommt es zu einem Umzug eines Volkes an einen anderen, in der Nähe gelegenen Standort. Dabei sind ökologische und klimatische Anforderungen wie Sonneneinstrahlung, vorhandene Baumarten, Windschutz und Waldrandlage wesentliche Auswahlkriterien, die je nach Art variieren können. Nester an Waldrändern sind in östlicher bis westlicher Richtung ausgerichtet. Nördliche Waldrandlagen werden von den Ameisen gemieden.
Einige Arten (Formica rufa, F. polyctena u. a.) errichten ihre Nester auf alten Wurzelstöcken, was das Bearbeiten des Holzes und das Anlegen von Gängen erleichtert. Bei älteren Nestern ist das Holz zu einem dichten Gang- und Kammernsystem ausgenagt, das den Königinnen und dem Nachwuchs besonderen Schutz gewährt. Die Nester können nicht selten bis zwei Meter in die Tiefe reichen. Auch der auf dem Wurzelstock errichtete Hügel enthält ein ausgeklügeltes System von Gängen und Kammern, durch die sich die Ameisen bewegen und ihren Nachwuchs an optimale Orte transportieren können. Dieser wird von einer dichten Deckschicht aus feinerem Material (Nadeln, Zweigstücke, Knospenschuppen, Harz) umschlossen. Diese schützt das Nest vor Durchnässung und Abkühlung.
Der Standort des Nestbaus hat auch einen wesentlichen Einfluss auf das verwendete Nestbaumaterial. Typische Standorte befinden sich in Fichten- und Mischwäldern, wo Nadeln, kleine Ästchen und Harzklümpchen als Baumaterial bevorzugt werden. Baumharz enthält Terpene, die als "Antibiotikum" zum Schutz vor Pilzen und Bakterien verwendet werden. Befinden sich die Nester an einem Waldrand mit hohem Laubholzanteil, werden die dort anfallenden Materialien zum Nestbau verwendet.
Um die optimale Nesttemperatur von 25 bis 30 Grad zu gewährleisten, wird auch die Nestform und -größe an die Umgebung angepasst: flach bei viel und steil bei wenig Sonne.
Diese Bauaktivität hält das Nest in einem optimalen Zustand, gewährleistet die Hygiene und verhindert eine übermäßige Verrottung und Verpilzung des organischen Materials.
Im Inneren wird das Material permanent umgeschichtet und die Gänge und Kammern werden neu angeordnet. Da im Inneren des Nestes eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, wird verrottetes oder zersetztes Material nach außen transportiert und durch neues ersetzt. Experimente haben gezeigt, dass markierte Partikel innerhalb von ca. 30 Tagen einmal von der Oberfläche ins Innere und wieder zurückwandern.
Diese Bauaktivität hält das Nest im optimalen Zustand, gewährleistet Hygiene und verhindert, dass das organische Material nicht übermäßig verrottet und verpilzt.
Um die für das Volk optimale Nesttemperatur möglichst konstant zu halten, spielen im Wesentlichen drei Faktoren eine entscheidende Rolle.
Da im Nest eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, zersetzt sich das Nestbaumaterial, wobei Wärme entsteht. Durch Umlagern im Nest oder nach außen kann man die Zersetzung und damit die Wärmeproduktion beeinflussen.
Die Ameisen produzieren durch ihren Stoffwechsel ebenfalls Wärme. Mag das für eine einzelne Ameise auch wenig sein, so ist der Beitrag durch die große Anzahl nicht zu unterschätzen.
Die Besonnung des Nestes kann je nach Standort, Jahreslauf und Tag stark variieren. Langfristig können die Ameisen mit der Nestform und -größe einen gewissen Einfluss darauf nehmen. An sonnigen Standorten sind flache Nester vorteilhaft, um eine Überhitzung zu vermeiden, an schattigen/feuchten Standorten sind hohe, steile Kuppeln von Vorteil, um die wenigen Sonnenstrahlen optimal einzufangen.
Im Wald gibt es aber auch Zeiten, in denen das Nest durch Bäume, Zweige, Belaubung usw. beschattet wird, oder die Sonne wird von Wolken verdeckt oder der Himmel ist mehrere Tage bewölkt.
Die Ameisen können die Nestinnentemperatur auch hier in einem gewissen Umfang aktiv beeinflussen. Sie öffnen und schließen Nestöffnungen und Lüftungsschächte, um die Temperatur zu kontrollieren.
Sollte sich die Temperatur damit nicht regulieren lassen, bringen die Arbeiterinnen die Brut in wärmere oder kühlere Bereiche des Nestes.
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Letzte Änderung am 03.07.2026 |